Ein Stellplatz, ein Werk und der Niedergang oder auch Der Lauf des Lebens

Meine ersten Erfahrungen mit einem Wohn- oder Reisemobil machte ich bereits 1968, also vor nun-

mehr 46 Jahren. Damals begann alles mit einem "Selbstausbauer", einem alten ausgedienten Daim-

ler 608 Paketwagen der Deutschen Post. Fuhr man damit in den Urlaub und es kam einem ein "rich-

tiges" Mobil entgegen, so war das wie von einem anderen Stern. Unser "Mobil" dagegen war primi-

tiv ohne Plumpsklo, aber gemütlich ausgestattet.

Mit diesem Gefährt machten wir unsere ersten Erfahrungen in Österreich. Damals konntest du noch

stehen und übernachten, wo du wolltest. Keine Probleme! So haben wir das Alpenländle kennen ge-

lernt. Heutzutage mache ich einen Riesenbogen um dieses Land und ich habe es total aus meinem

Gedankenschatz gestrichen.

Seit 1971 wohnten wir in Ocholt in der Gemeinde Westerstede, etwa zehn Kilometer von Bad Zwi-

schenahn entfernt. Doch unser gesamtes Leben, vom Einkauf bis hin zu kulturellen Dingen, spielte

sich in Bad Zwischenahn ab.

Schließlich war ich gebürtig aus dem Kurort und auch dort aufgewachsen und so etwas schüttelt

man nicht einfach so ab. Immer und immer wieder fiel bei uns der Satz: falls wir mal wieder umzie-

hen sollten, so nur nach Bad Zwischenahn!

Im Herbst 1995, also nach 24 Jahren "Abstinenz" war es dann soweit. Wir hatten wieder eine feste

Bleibe in Bad Zwischenahn. Zu der Zeit war ich allerdings auch schon seit 5 Jahren in Rente, in die

man mich nach meinen Krankheiten "geschickt" hatte.

Ich war und bin aber absolut kein Mensch, der sich auch nur für zehn Minuten zu Hause in den Ses-

sel setzen kann. Bei mir sind "Hummeln im Mors"! Also hatte ich mir sofort nach meinen Kranken-

hausaufenthalten Dinge "gesucht", die ich anpacken konnte. Allerdings war das nicht irgendwelche

Arbeiten zu Hause, nein, nein, etwas für die Öffentlichkeit wollte ich tun.

Sozial eingestellt war ich schon immer, schon im Elternhaus war ich so erzogen worden. Ich fing an,

Müll zu sammeln an Straßenrändern, in Gräben usw. Zu Weihnachten begann ich mitmeinen Samm-

lungen für Bedürftige. Kindergärten, Altenheime und Behindertenheime "bediente" ich mit meinen

Sammelergebnissen.

Und genau das machte ich auch nach unserem Umzug in den Kurort weiter. Ich suchte mir Dinge

zum Anpacken, die sonst keiner machte oder machen wollte. Auch hier in Bad Zwischenahn hatte

der Müll oberste Priorität. Wenn ich mit meinem Rad meine alltägliche Tour um den See machte,

hatte ich immer eine Tüte dabei. Diese war meistens gefüllt, wenn ich wieder zu Hause ankam.

Doch gab es neben diesen Dingen ein weiteres Detail, mit dem ich mich gut auskannte: die Wohn-

mobile, die hier nach Bad Zwischenahn kamen! Anfangs, ich kann mich noch gut an die Zeiten er-

innern, standen Wohnmobile kreuz und quer durch den Ort verteilt. Da ich den Platz am Badepark

für optimal hielt, machte ich mir dann die Mühe, die Kollegen auf diesen Standort hinzuweisen. Es

klappte mehr oder minder gut, denn einige Kollegen ließen sich nicht überzeugen.

Es dauerte lange, bis alles nach meinem Gutdünken lief. Viele Kollegen brachte ich dann doch dazu,

die Vorteile des Stellplatzes am Badepark anzunehmen und so stellten sie sich auch in Zukunft immer

auf diesen "Parkplatz".

Am 12. September 1995 begann ich meinen freiwilligen Dienst auf dem Platz am Badepark, auf dem

Platz, den ich gerne zu einem offiziellen Stellplatz machen wollte. Tagtäglich war ich ab nun ca.

zwei bis drei Mal auf dem Platz und schaute nach dem Rechten. Leider waren es die sogenannten

Ferkel unter den Kollegen, die mit dem Erwerb ihres Fahrzeuges auch gleich den Grund und Boden

"mitgekauft" hatten. Nach dem Motto "mir gehört die Welt" wurde auf dem Platz "rumgeferkelt".

Das Grauwasser lief grundsätzlich in die Oberflächenentwässerung und die Toiletteninhalte wurden

einfach so in das nebenstehende Gebüsch gekippt.

1997 kam dann das Ergebnis, die Gemeindeverwaltung sperrte den Platz. Da ich es aber nicht ein-

sehen konnte und wollte, dass ein paar "Schwarzer Schafe" wegen die Vielzahl der Kollegen leiden

sollte, begann ich zu kämpfen.

Am 15. Mai 2001 !!! hatte ich es dann geschafft. Nach vielen Gesprächen mit den Verantwortlichen

machte ich es mir zur Aufgabe, meine "Aufsichtstätigkeit" nochmals zu verstärken. Es musste Ord-

nung her, ganz gleich wie.

Derjenige, den ich ab nun noch bei einer Ferkelei erwischte, bekam eine Anzeige von mir. Logischer-

weise machte ich mir damit nicht nur Freunde. Freunde aber hatte ich auch nicht mit den Besitzern

der heimischen Campingplätze. Mein "liebster Freund" ist so bis zum heutigen Tage immer noch ein

Campingplatzbesitzer vom Nordufer des Zwischenahner Meeres. Er kann es bis heute nicht begrei-

fen (er kann es wirklich nicht), dass er von einem freien Wohnmobilplatz nur profitieren kann. Somit

bekämpfte er mich und warf mir so manchen Stock zwischen die Beine. Ich habe damit leben müs-

sen.

Fast auf den Tag genau zehn Jahre lang setzte ich meine ganze Kraft für den Platz ein und ich habe

ihn zu dem gemacht, was er heute ist. Leider aber hatte ich im Februar 05 einen Antrag bei der Ge-

meindeverwaltung eingereicht, um dem Platz eine feste Note zu geben.

Viele lange Jahre "Hickhack" um einen vernünftigen Stellplatz und viele lange Jahre "Rumgehampel"

der verschiedenen Bürgermeister mit dem Ergebnis "Null" reichten mir. Nach einem Riesenkrach mit

dem Ex - Bürgermeister und verschiedenen Leuten wurde ich Anfang September 2005, also nach

fast genau 10 Jahren, mit einem Fußtritt vom Platz hinunter komplimentiert. Zehn Jahre Arbeit ohne

Dank und zwei Jahre Kassierer Tätigkeit mit einem Anzweifeln der kassierten Summe. Das reichte

dann auch mir! Heutzutage bin ich ein "ganz normaler" Zwischenahner Bürger, zwar noch im Rat

der Gemeinde, aber sonst vollkommen frei von allen Zwängen.

Jede negative Sache hat jedoch auch etwas positives, denn heutzutage kann ich wieder tun und las-

sen, was ich will und das ist auch schön! Und bei allen Dingen weiß ich in Zukunft, wie ich mich ver-

halten muss!

Ich habe versucht, etwas für den Ort Bad Zwischenahn zu tun, bin letztendlich aber mit dieser Idee

wegen ein paar Betonköpfe gescheitert.